Risikofaktoren und Prävention
-Vorsorge ist wichtig!
Die Bedeutung der Risikofaktoren zur Prophylaxe arteriosklerotisch bedingter
Gefäßerkrankungen ist unstrittig. Es konnten eindrucksvolle Senkungen der
Erkrankungshäufigkeit und der Sterblichkeit durch die Erkrankung nachgewiesen werden.
Auch die Früharteriosklerose scheint präventiv erfolgreich behandelbar zu sein.
Thrombozytenfunktionshemmer und fettsenkende Maßnahmen haben ihren Stellenwert bei allen
Formen der Arteriosklerose, insbesondere bei exulzerierenden Plaques der Gefäßwand.
Bei bestehender arterieller Verschlußkrankheit muß durch eine gezielte Therapie
möglicher auslösender oder potenzierender Faktoren ein Fortschreiten verhindert werden.
Auch an chirurgisch eröffneten Arterien und an Umgeheungsgefäßen können
arteriosklerotische Wandveränderungen entstehen, die zu weiteren Gefäßverschlüssen
führen.
Lokalmaßnahmen
Von oftmals entscheidender Bedeutung für den Erhalt eines durchblutungsgestörten Beines
sind neben der notwendigen Fußpflege sowie der Fettung der spröden und rissigen Haut
weitere lokale Maßnahmen.
Besonders ist auf geeignetes Schuhwerk zu achten. Die Schuhe müssen bequem sein, um
Druckstellen und damit Ausgangspunkte für Problemstellen am Fuß oder den Zehen zu
vermeiden. Zur guten Belüftung und Temperaturregulierung empfehlen sich im Sommer Schuhe
mit Ledersohlen, im Winter wasserdichte, pelzgefütterte Schuhe. Damit wird einer
übermäßigen Fußschweißbildung und der besonders gefährlichen Unterkühlung
durchblutungsgestörter Extremitäten vorgebeugt.
Die Nägel dürfen nicht zu kurz geschnitten werden, da die Verletzungsgefahr des
Nagelbettes durch die Nagelschere oder -feile besteht. Erfahrungsgemäß können bei der
Verschlußkrankheit über solche banalen Verletzungen sehr schnell Infektionen mit
entsprechender Amputationsgefahr der durchblutungsgestörten Extremität auftreten.
Gleiches gilt natürlich auch für chirurgische Eingriffe an der durchblutungsgestörten
Extremität und in besonderem Maße für den Fuß. Vor allem sind Zehennagelentfernungen,
Hornhautabtragung u. ä. zu vermeiden. Bei starker Verhornung ist eine vorsichtige
Aufweichung mit Acetylsalicylvaseline und anschließende Fettung der Haut sinnvoll.
Zehennagelentfernungen können medikamentös vorgenommen werden. Im Zweifelsfall sollte
bei nicht mehr tastbaren Fußpulsen immer eine angiologische Abklärung vorangehen und
eine weitere Behandlung durch den Erfahrenen erfolgen.
Physiotherapeutische Maßnahmen, z. B. Wechselbäder, Ganzkörpermoorbäder,
Thermalbäder über 28° C, kalte Güsse, wie auch örtliche Überwärmung durch Einreiben
mit Essenzen oder medizinische Fußbäder sind bei arterieller Verschlußkrankheit zu
unterlassen.
Bei erweiterungsfähigen Gefäßgebieten führen diese Maßnahmen zu einer
Mehrdurchblutung der Haut. Es ist eine regionale Blutumverteilungsstörung zu ungunsten
tiefer gelegener Gewebeschichten (Steal-Phänomen) zu befürchten. Ist die
Erweiterungsfähigkeit der Hautarterien erschöpft häufig Stadium III oder IV
einer Durchblutungsstörung - , so kann durch Wechselbäder und die örtliche Weitstellung
zwar der regionale Zellstoffwechsel gesteigert, die Blutzufuhr aber nicht in adäquater
Form erhöht werden. So entsteht die Gefahr von Gewebeuntergang (Nekrosen), insbesondere
wenn begleitende Nervenschädigungen bestehen (Polyneuropathie).
Infektionen im Bereich des Fußes und der Zehen sind in allen Stadien der arteriellen
Verschlußkrankheit als äußerst ernste Zustände anzusehen und dementsprechend
konsequent zu behandeln.
Liegen bakterielle Infektionen vor, sollten Wundabstriche angefertigt werden, um eine an
den Erreger angepaßte Behandlung zu ermöglichen. Zwischenzeitlich kann mit einem
Breitbandantibiotikum die Therapie eingeleitet werden. Besteht Sekretverhalt, so müssen
Eitertaschen geöffnet und drainiert werden. Wundränder oder Nekrosegrenzgebiete können
vorsichtig angefrischt werden. Insgesamt muß die Lokalbehandlung dem Erfahrenen
vorbehalten bleiben. Zusätzliche Fußbäder mit milden, lauwarmen
Kaliumpermanganatlösungen können je nach Ausprägung der Infektion in 1 - 2tägigen
Abschnitten sinnvoll sein. Nach einer Badezeit von etwa 10 Minuten muß der Fuß
trockengefönt (Raumtemperatur) werden. Feuchte Stellen zwischen den Zehen sind
trockenzutupfen. Pilzinfektionen müssen konsequent und lange genug mit milden
Antimykotika behandelt werden. Ein Frottieren des Fußes ist absolut zu vermeiden, da die
bei Durchblutungsstörungen dünne und sehr verletzbare Haut leicht einreißt und weitere
Infektionsherde entstehen können. Nach sterilem Abdecken der Infektionsstelle ist zum
Schutz vor weiteren Verletzungen und zur Stabilisierung der Temperatur der Gliedmaßen ein
Wattestiefel bis zum Unterschenkel anzulegen. Ein weitgehendes Ruhigstellen mit Tieflagern
der Extremitäten sollte unbedingt angestrebt werden.
Bei Verbänden an durchblutungsgestörten Extremitäten sind gewisse Vorsichtsmaßnahmen
zu beachten. Pflasterfixierungen, Abschließen des Verbandes mit Verknoten des
eingeschnittenen Endes des Verbandschlauches u. ä. können durch Strangulation zu
weiterer Durchblutungsverschlechterung führen. Auch wenn der Verband zunächst nur locker
angelegt wurde, besteht diese Gefahr, da durch Anschwellen (Ödembildung) oder Verrutschen
gefürchtete Schnürungen hervorgerufen werden. Um solche Komplikationen zu vermeiden,
sollte das Fixieren in Längsachse der Extremität mit Pflasterstreifen auf der Haut
erfolgen. Ein weiteres Problem stellt die Kompressionsbehandlung auch im Stadium II bei
Ödemen venöser oder lymphatischer Ursache dar. Prinzipiell scheinen zwar
Kompressionsbehandlungen bei Patienten mit Blutdruckwerten größer 70- 80 mmHg möglich
zu sein.
Um Verschlechterungen der arteriellen Durchblutungsstörungen zu vermeiden, sollten hier
während der Kompressionsbehandlung Kontrollen am Messung des Zehenarteriendruckes
durchgeführt werden. Nach Durchfeuchten der Kompressionsbinde über den Fußarterien kann
man auch mit dem Dopplergerät wie gewohnt den Druck messen. Wird unter Kompression ein
weiterer Blutdruckrückgang festgestellt, so mu sofort die Binde neu und lockerer angelegt
werden.
Auf die Wichtigkeit einer richtigen Gliedmaßenlagerung (wegen verstärkter Schmerzen bei
Hochlagern des Beines im Stadium III und IV) kann nicht genügend hingewiesen werden. Um
die Durchblutung zu steigern, ist das Tieflagern der Extremität um 10 bis 15 cm eine
nicht zu unterschätzende Manahme, die auch der Patient im Stadium II nachts durchführen
sollte. Das Fußende ist mit einer weichen Decke abzupolstern, um bei Abrutschen
Druckstellen an den Füßen zu vermeiden.
Bei Pilzinfektionen, insbesondere Interdigitalmykosen, ist neben dem Tragen von Wollsocken
ein häufiger Schuh- und Strumpfwechsel zu empfehlen.Eine Dauerbehandlung mit
schmerzstillenden Substanzen bleibt den Stadien III und IV mit ständigen Ruheschmerzen
notwendig.
Nach Ausschluß mechanischer Schmerzursachen (z. B. Sekretverhalt bei feuchter Gangrän;
Narben-, Hornhautplatten oder eingewachsene Zehennägel) bietet sich eine Dauerbehandlung
mit milden Schmerzmitteln an. Die nächtliche Schmerzverstärkung kann dann nach Bedarf
des Patienten durch zusätzliche Schmerzmittelgaben einfacher unterdrückt werden.
Bei gleichzeitiger gerinnungshemmender Therapie sollte auf Substanzen verzichtet werden,
die die Funktion der Blutplättchen beeinflussen.