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Erkrankungen der
Nierenarterien
Es kann geschätzt werden, daß in Deutschland zwischen 200.000 und 2.000.000 Menschen an
Nierenarterienveränderungen erkrankt sind. Unterschieden werden müssen die chronische
Nierenschädigung durch eine Arteriosklerose oder eine fibromuskuläre Dysplasie, eine
akute Nierenschädigung durch eine Embolie, eine Verletzung, einen Gefäßeinriss oder
eine Thrombose, ein Nierenarterienaneurysma und andere seltene Erkrankungen der
Nierengefäße wie arterio-venöse Fisteln. Als Folge einer Gefäßerkrankung der Nieren
können ein Bluthochdruck oder ein Nierenversagen auftreten. Die rechtzeitige Behandlung
kann den Bluthochdruck bessern oder heilen und das Auftreten oder Fortschreiten einer
Nierenschädigung verzögern oder verhindern. Neben der operativen Behandlung werden
verschiedene Kathetertechniken in den letzten Jahren zunehmend eingesetzt.
Diagnostik
Die Untersuchungen hängen von der Erkrankung und deren Dringlichkeit der Behandlung ab.
Es gibt keine Beschwerden oder Befunde bei der körperlichen Untersuchung, die mit
hinreichender Sicherheit die Diagnose einer Erkrankung der Nierenarterie erlauben. Als
Hinweise können ein plötzlich beginnender Bluthochdruck, insbesondere eine diastolische
Hypertonie, ein Flankenschmerz oder ein Strömungsgeräusch im Bauchnabelbereich dienen.
Apparativ beruht der Nachweis einer
Nierenarterienerkrankung auf Ultraschall- und angiographischen Verfahren Erhoben werden
Ausprägung der Gefäßveränderungen und Besonderheiten der Gefäßversorgung. Als
Standard gilt bislang die Darstellung der Gefässe mit Kontrastmittel unter Einbeziehung
schräger Projektionen. Die Beurteilung der Nierenarterien wird ergänzt durch
Funktionsuntersuchungen (Doppler-Flußmessung, szintigraphische Clearance-Bestimmung), die
eine Einschätzung der Bedeutung unter Funktionsaspekten erlauben.
Neuere Techniken (Spiral-Computertomographie,
Kernspintomographie) können Aussehen und Funktion einfacher und ohne radioaktive
Belastung in einer Untersuchung erfassen und erlangen auch zur Erstdiagnostik und
Verlaufsbeobachtung eine immer stärkere Bedeutung.
lndikationsstellung
Zu einer Therapie muß das Risiko einer Behandlung gegenüber dem Verlauf bei
konservativer Therapie abwägen. Die Indikation zur Therapie zielt auf den Erhalt
der Nierenfunktion und die Beseitigung von Folgezuständen von akuter oder chronischer
Nierenmangeldurchblutung.
Vorsorglich werden Patienten ohne Bluthochdruck mit altersgerechter Clearance und
regelrechter Seitenverteilung therapiert, um einen zu erwartenden Schaden abzuwenden.
Diese Situation ist gegeben bei zufällig entdeckten Nierenartenenaneurysmen und bei
Simultanoperationen bei regelrechter Nierenfunktion.
Bei klinisch faßbarer Einschränkung der Nierenfunktion sollte die Wiederherstellung der
Nierendurchblutung zum Erhalt der Nierenfunktion durchgeführt werden, da ein
Fortschreiten der Nierenfunktionsschwäche mit Verlust der Nierenfunktion in wenigen
Jahren regelhaft zu erwarten ist. Der Nachweis einer Nierenarterieneinengung bei einem
gleichzeitig vorhandenen Bluthochdruck weist auf das mögliche Vorliegen eines
nierenbedingten Hochdrucks hin.
Behandlungsverfahren
Behandlungsverfahren mit Kathetertechniken werden aufgrund des vermeintlich geringeren
Risikos häufig der operativen Therapie vorangestellt. Als sichere Indikation gelten die
Hauptstammstenosen bei Arteriosklerose und die Stenosen bei fibromuskulärer Dysplasie mit
einer technischen Erfolgsrate von über 80 %. Hier ist ein erneuter Eingriff in 25 % der
Fälle erforderlich, um die Offenheit längerfristig zu gewährleisten. Die Aufweitung
mittels Ballonkathters im Abgangsbereich der Nierenarterie bei Arteriosklerose ist nur in
65 % der Fälle primär erfolgreich. Verbessert werden die primär unzureichenden
Heilungsraten durch eine Stent-Implantation. Da die operative Therapie durch eine
Stent-Implantation wesentlich erschwert ist, sollte dieses Vorgehen im Team zwischen
Gefäßchirurgen und Interventionell tätigem Arzt abgesprochen werden.
Erfolgversprechend erscheint nach vorläufigen Berichten die primäre Fibrinolyse bei
embolischen Nierenarterienverschlüssen.
Der Blutverlust während der Operation liegt in der Regel unter 500 ml und erfordert nicht
die vorhergehende Eigenblutspende. Nach der Operation können Komplikationen auftreten.
Die Rekonstruktion ist verschlußgefährdet und infolgedessen intensiv
überwachungspflichtig. Vor der Entlassung aus dem stationären Aufenthalt ist das
Ergebnis mit Blutdruckmessungen, Bestimmung der Nierenwerte und die
Ultraschalluntersuchung sinnvoll. Die seitengetrennte Szintigraphie erlaubt eine
funktionelle Beurteilung.
Nachsorge
Alle Patienten müssen regelmäßig nachuntersucht werden, da bei frühzeitiger Erfassung
einer Funktionsstörung die Möglichkeit der erneten Behandlung gegeben ist. Die
Nachkontrolle soll zunächst klinisch erfolgen. Vergleichend zu der postoperativen
Kontrolle sollen der arterielle Blutdruck und die Nierenwerte erfaßt werden. Die
Rekonstruktion soll in regelmäßigen Abständen dopplersonographisch überprüft werden.
Falls sich der Verdacht auf eine erneute Läsion oder das Auftreten einer Erkrankung der
anderen Niere ergibt, ist weitere Diagnostik erforderlich. |